07.10.2015

Autoren Tag ** Textausschnitt** Ein Surfer zum Verlieben Violet Truelove

So hatte sich Lindsay Lovejoy ihren ersten Tag im Paradies nicht vorgestellt. Der tropische Regenschauer hatte sie auf den wenigen Metern bis zur Haustür ihres neuen Domizils vollkommen durchnässt, und nun klemmte auch noch der verflixte Schlüssel.Vielleicht einer der anderen, dachte sie, und probierte sämtliche Schlüssel der Reihe nach durch. Der dicke Bund entglitt ihren feuchten Fingern zweimal und fiel klirrend zu Boden. Gerade hatte sie ihn erneut aufgehoben, als sie eine unbekannte Stimme hinter sich hörte.»Kann ich Ihnen helfen?«Erschrocken zuckte Lindsay zusammen, und verlor den Schlüssel ein weiteres Mal. Ehe sie sich danach bücken konnte, realisierte sie, wer der Mann war.
Ich träume,dachte sie und blinzelte verwirrt. Vor ihr stand kein Geringerer als der berühmte Surfstar Warden Palmer. Er hielt sein Surfbrett lässig unter seinem muskulösen rechten Arm, und auch er war patschnass.Seit wann hat er dieses Tattoo,fragte sich Lindsay. Sie verspürte den Drang, die schwarzen Flammen, die auf seinem Oberarm prangten und diesen umrankten, zu berühren. Ihr fiel es schwer, die Augen von seinem durchtrainierten Oberkörper abzuwenden.Ich werde wahnsinnig!Egal, Hauptsache, du hörst auf ihn anzustarren,sagte sie sich.
Lindsay ratterte die ihr bekannten Eckdaten herunter, um ihrem Verstand etwas zu tun zu geben. Weltmeister, dreifacher Pipemaster, Triple-Crown-Champion, Gewinner des Eddies, 183 Zentimeter groß, 79 Kilo schwer, 31 Jahre alt, geschieden und der Bad Boy der Surfszene.»Nein! Ja! Vielleicht!«, erwiderte sie atemlos. Sie holte tief Luft und zwang sich dazu zur Ruhe zu kommen.Warden Palmer ist auch nur ein Mensch,rief sie sich in Erinnerung.Nein,sagte eine andere Stimme in ihrem Kopf,er ist eine verdammte lebende Legende, er …
»Ich kriege das Schloss nicht auf«, unterbrach sie ihre wirren Gedanken mit erstaunlich ruhiger Stimme.
Mit einer schnellen Bewegung fischte Warden den Schlüssel vom Boden und hielt ihn Lindsay hin.»Mit dem Schlüssel kriegen Sie mein Haus sicherlich nicht auf.«
»Ihr Haus?«, echote sie.
»Ja, ich wohne hier.«Die Frage, was mit seinem Anwesen auf Maui war, lag Lindsay auf der Zunge.Nicht jetzt,ermahnte sie sich. Sie griff nach dem Schlüssel, doch Warden zog seine Hand weg, und hielt das Objekt ihrer Begierde außerhalb ihrer Reichweite hoch.»Also«, die Art wie er das Wort dehnte, bereitete ihr Unbehagen,»wer sind Sie, und was machen Sie hier? Sind Sie von der Presse?«
Lindsay schluckte und fuhr sich durch das nasse Haar.»Nein, ich ...«Nicht stammeln, du schaffst das,sagte sie sich.»Mein Name ist Lindsay Lovejoy. Ich bin wohl ihre neue Nachbarin.«
»Warden Palmer«, stellte er sich überflüssigerweise vor.»Ist Ihres die 13?«Sie nickte.»Da müssen Sie zurück auf die Zufahrtsstraße, dort halten Sie sich links und dann gleich die nächste Auffahrt auf der linken Seite rein. Es ist eigentlich nicht weit.«
Er deutete mit seiner Hand in die Richtung und Lindsay bildete sich ein, zwischen all dem Regen schemenhaft ihr Haus erkennen zu können.»Danke.«Sie schenkte ihm ein gezwungenes Lächeln, und eilte zurück zu ihrem Wagen.
Lindsay stieg hinein, ließ ihren Kopf gegen das Lenkrad sinken, und flüsterte»Warden Palmer!«. Dann noch leiser»Oh, mein Gott!«Gerade als sie sich halbwegs gefangen hatte, klopfte es an das Fenster des Ford Explorers. Sie erschrak heftig, und zuckte ertappt zusammen. Warden hielt grinsend den Schlüssel hoch. Sein Lächeln war der Hammer.

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