08.10.2015

Autoren Tag Elisabeth Wagner ** Textschnipsel Grenzenlos **

Hier hab ich für euch zwei Schnipsel aus der Grenzenlos Serie 

Grenzenlos:


»Es war schön, dich heute mal alleine getroffen zu haben. Vielleicht könnten wir das mal wiederholen?«, fragte er sichtlich nervös mit rauer Stimme. Das Licht vom Mond ließ ihn noch bezaubernder wirken. Seine Augen leuchteten in einem noch intensiveren Blau. Man wollte am liebsten in diesen Augen versinken, sie hypnotisierten einen. Wollte er ein Date mit mir, weil er das wiederholen wollte? Mein Herz begann zu rasen. Hoffentlich konnte man das Klopfen in dieser Stille nicht hören.

Mit etwas zittriger, nervöser Stimme antwortete ich leise: »Gerne.« Mehr brachte ich im Moment nicht heraus. Es lag einfach eine unerträgliche Spannung zwischen uns, die ließ meinen Mund trocken werden.

Jake kam noch einen Schritt näher und lehnte sich mit einer Hand neben meinem Kopf am Auto an. Ich stand wie versteinert da, meine Arme hingen lose an meinen Seiten, ich konnte mich nicht bewegen. Es müsste nur einer von uns seinen Kopf ein wenig nach vorne strecken und unsere Lippen würden sich berühren. Jake sah zu mir herunter und atmete ruhig ein und aus. Mein Puls schlug immer höher und mein Atem wurde flacher. Er schloss die Augen und sein Gesichtsausdruck wechselte auf einmal von purer Begierde zu Traurigkeit. Er atmete tief durch, fuhr sich wieder mit der Hand durchs Haar und ging einen Schritt zurück.

Was war jetzt passiert? Wir waren kurz davor, uns zu küssen. Ich sah ihn nur verwundert an. Er ging einen weiteren Schritt zurück.

»Gute Nacht, Jess«, sagte er emotionslos.

Und mit diesen Worten ging er zu seinem Auto und fuhr davon.




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Mit Dir:


Wenige Stufen führten uns zum Strand hinab. Bei der letzten zog ich die Schuhe aus. Ich genoss das Gefühl des Sandes unter den Fußsohlen. Er war kühl im Mai. Der Wind blies kräftig und wehte meine Haare ins Gesicht. Ich zog die Weste zu und strich die losen Strähnen hinter das Ohr. Jake nahm schließlich meine Hand und drückte zu. Er führte mich schweigend zu einem großen Stück Treibholz, auf das wir uns setzten. Dort hielt er mich eng an sich.
»Es war wunderbar heute«, sagte ich leise und kuschelte mich an Jake. »Ich denke, das sollten wir wiederholen. Wenn es auch nur alle paar Monate ist.«
Jake legte einen Arm um meine Hüfte. »Jederzeit«, hauchte er und gab mir danach einen Kuss auf die Schläfe. Ich lehnte mich näher an ihn ran und meinte sogar, sein Herz klopfen zu hören. Es war ebenso beruhigend wie das Rauschen des Meeres. Ich schloss die Augen und lauschte dem Orchester der Freude und der Liebe. Herz und Wasser.



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