19.09.2015

Prolog ** Ein Moment Hoffnung**

Prolog 
Es wird nie wieder passieren. Ich werde es nicht zulassen! Verletzt stolpere ich durch unsere halbdunkle Straße. Das Viertel ist kein richtiger Ort für eine junge Frau wie mich. Unsicher schaue ich mich immer wieder nach möglichen Verfolgern um. In meinem Zustand wäre ich eine leichte Beute. Obwohl, was könnte mich nach heute noch mehr verletzen? Es sind nicht die Schmerzen, die ich am Körper spüre. Viel schlimmer sind die Qualen, die ich seit Jahren erleide. Die man nicht sieht. Ich versuche mit jedem Schritt Abstand zu gewinnen. Abstand zu dem Ort, an dem ich bisher gewohnt habe. Ein Zuhause war es nie für mich. Seit meine Mum sich abgesetzt hatte, war auch ich bei meinem Erzeuger nicht mehr willkommen. Vor allen Dingen jetzt, wo ich all die Dinge mit angehört habe, die nicht für meine Ohren bestimmt waren. Vor einigen Wochen habe ich die Highschool beendet. Die Schule war der einzige Lichtblick in meinem Leben. Ein Ort, an den ich gerne gegangen bin. Seit ich mir heute vorgenommen habe, dem Ganzen ein Ende zu bereiten, werde ich mir einen Plan zurechtlegen, wie es geschehen soll. Ich werde ihm nicht mehr zur Last fallen. Allein dieser Gedanke gibt mir die Kraft, einen Fuß vor den anderen zu setzen und das Pochen in meiner rechten Hand zu vergessen. An der nächsten Ecke vernehme ich ein Wimmern, das mich innehalten lässt. Zuerst denke ich an ein Tier. Ein kleines Kätzchen oder einen Welpen, der sich im Zaun eines Hauses verfangen hat. Je näher ich komme, desto neugieriger bin ich und desto eher klingt das Wimmern menschlich. Aus dem Haus dringen Schreie. Nicht, dass ich in der Verfassung wäre, jemandem zu helfen, aber nachsehen, woher die Geräusche kommen, kann nicht schaden. Was ich dann sehe, lässt das Blut in meinen Adern gefrieren. Ein junges Mädchen liegt blutverschmiert mit zerrissener Kleidung hinter den Mülltonnen des Hauses, dieser heruntergekommenen Gegend. Die geringe Beleuchtung der Straßenlaterne wirft nur ein wenig Licht auf sie, jedoch genug, um ihren geschundenen Körper zu sehen. Übersät mit blauen Flecken liegt sie im Dreck. Scheinbar zu schwach zum Weinen oder um Hilfe zu holen. In ihrem Zustand ist es schwer, das Alter zu schätzen. Sie wirkt jung, vielleicht zwei bis drei Jahre jünger als ich und ich selbst bin gerade mal 17 Jahre. Mit großen, weit aufgerissenen Augen schaut sie mich an. Vermutlich sehe ich heute nicht besser aus, von meiner Kleidung ganz abgesehen. Mit ihrem verängstigten Blick fleht sie mich an, ihr zu helfen. Einen Moment lang überlege ich, ob es nicht besser wäre, zu gehen, aber das Bild würde ich nicht aus meinem Kopf bekommen. Dieser Anblick bringt meinen Entschluss ins Wanken. Langsam ziehe ich meine Strickjacke über die verletzte Hand. Vorsichtig beuge ich mich zu ihr und lege ihr diese behutsam um. Die Schreie im Haus werden lauter, als plötzlich die Tür aufspringt. Schnell ducke ich mich, damit der Mann, der gerade aus dem Haus rennen will, mich nicht sieht. Irgendwo habe ich ihn schon mal gesehen. Klar, er gehört zu den Pokerfreunden meines Erzeugers und … er war auch da. Bei dem Gedanken an vorhin wird mir schlecht und ich bin kurz davor, mich zu übergeben. Aus dem Grund, kann ich mir vorstellen, was er mit ihr angestellt hat. „Sag mir, wo das Miststück sich versteckt hat. Weit kann sie noch nicht gekommen sein.“ Eine Frau rennt torkelnd aus dem Haus und zerrt an dem aufgebrachten Mann. „Du wirst ihr nichts mehr tun“, wirft sie ihm lallend entgegen. Er dreht sich zu ihr. „Du bist nur noch besoffen. Wenn du mich nicht zufriedenstellst, dann muss eben deine Tochter herhalten.“ Mit diesen Worten schleift er sie zurück ins Haus. Ich glaube, ich muss würgen. Panisch schaut mich das Mädchen an. In dem Moment treffe ich eine Entscheidung und diese weicht gravierend von meinem Ursprungsplan ab. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Einen Moment lang sehen wir uns an. „Ich bin Jenna. Bleib hier versteckt. Ich komme wieder“, raune ich ihr zu. „Al … Alison“, flüstert sie unter höchster Anstrengung. Jetzt werde ich mich um sie kümmern und sei es mit meinem Leben. Sie wird es besser haben. Dafür werde ich sorgen!






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen